“Meister, warum heißen die Deutschländer eigentlich Deutschländer?”
Ausgehend von der Erinnerung an die damals, vor der Korrektur des Spots geführte Debatte, ob “knackig wie Wiener” in der Antwort auftauchen darf, kam ich gerade auf den Gedanken, dass es ganz unabhängig von der blöden Antwort mal eine verdammt gute Frage ist.
In einem Stadium des gesellschaftszersetzenden Bildungssystems, in dem immer ausschließlicher auf Problemlösungs-Kompetenzen Wert gelegt wird (Stichwort Kernkompetenzen und Schlüsselqualifikationen) entfernen wir uns immer weiter vom Kern echter Bildung. Denn Bildung löst keine Probleme, sondern bringt sie erst hervor und vermehrt sie. Die Fähigkeit gute Fragen zu stellen lässt rapide nach, vor allem durch ein Klima, in dem angestrengtes Nachdenken nicht zur allgemeinen Partystimmung zu passen scheint. Probleme sind nicht gut, sie sollten möglichst schnell und einfach gelöst und dann vergessen werden, so die einhellige Meinung. Doch das ist ein duales System mit den Antworten. Nicht nur, dass es viele Fragen gibt, die sich eventuell nie beantworten lassen, über die man aber trotzdem immer wieder neu nachdenken muss, ohne gute Fragen ist uns jegliche Chance auf Erkenntnis von vornherein verwehrt
Das mit einem solchen Denken die abendländische Wissenschaftskultur de facto am Abgrund steht, oder sogar schon einen Schritt weiter ist, sollte eigentlich jedem intelligenten Menschen klar sein.
So weit die schwarze Vision.
Und dann das: In einem bildungsfernen, ja bildungsfeindlichen Umfeld steht der Lehrling (Schulabschluss unklar) an seiner Wurstdrehmaschine und denkt sich zwischen dem befüllen zweier Därme: Warum heißen die Deutschländer eigentlich Deutschländer? Und er fragt sich nicht nur, sondern er fragt auch andere. Das ist die Keimzelle der Wissenschaft.
Und daraus kann man eine elementare Hoffnung ziehen, dass doch noch nicht alles verloren ist. Wenn die Keimzelle der Wissenschaft dort plötzlich wieder auftaucht, aus dem Nichts zwischen Hack und Darm entsteht, dann bedeutet dies für mich, dass das Fragen ein anthropologisches Bedürfnis ist, welches man zwar unterdrücken und einlullen, aber nicht ausmerzen kann.
Doch wenn wir bis hier her gekommen sind, müssen wir uns nun leider Fragen, warum der durchschnittliche heutige Abiturient eigentlich so geistig tot ist, dass er eine solch brillante Frage nicht einmal im Ansatz zu stande bringt. Warum stellen Erstklässler so gute Fragen, aber der Erstsemester nicht mehr? Das erwähnte einlullen und unterdrücken muss irgendwo dazwischen stattfinden. Da muss irgendwo Opium und Gewalt versteckt sein.
Also: Woher kommen gute Fragen?
Antwort: Aus uns selbst, aus dem tiefen menschlichen Drang nach Erkenntnis. Das potential ist da. Doch die Frage verwandelt sich - wie so oft - im Moment ihrer scheinbaren Beantwortung in eine neue noch verwirrendere Frage: Wohin gehen die guten Fragen?
ElComandante, over and out
Zum Abschluss noch zwei schöne Zitate:
“Bekämpft wird der Feind, der bereits geschlagen ist, das denkende Subjekt.”
Th. W. Adorno
“Es gibt eine Theorie, die besagt, daß das Universum, sollte jemand herausfinden, weshalb es existiert, sofort verschwände und von etwas noch unerklärlicherem ersetzt würde. Andere dagegen behaupten boshaft, dies wäre längst geschehen”
D. Adams